[🇯🇵 002] Von München nach Nagoya - Eine Reise beginnt
- vor 1 Tag
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Die Reise beginnt
Das schöne an so einem Jahr im Ausland ist, dass es einen klaren Anfang und ein Ende gibt. Für mich war der 27. März 2025 die Startlinie eines Abenteuers, von dem ich immer geträumt hatte. Und ja, dabei lasse ich die Monate lange Planung und Vorbereitung mal ganz unauffällig unter den Tisch fallen, weil das erzählerisch einfach kein guter Einstieg ist.
Deshalb begann mein Abenteuer nicht mit langweiligem Papierkram, sondern damit, dass mich meine Mutter um acht Uhr morgens am Flughafen München abgesetzt hatte. Gute dreieinhalb Stunden vor Abflug. Absolut ausreichend, um alles fünfmal zu checken, sich achtmal zu verlaufen und alle paar Sekunden zu fluchen, weil meine Koffer nicht so wollten wie ich.
Ich hatte nämlich zwei Koffer dabei, bis zum Bersten gefüllt, und keinen Plan, was ich da eigentlich mache. Es war zwar nicht mein erster Flug, aber doch der erste, ohne Rückflugticket. Und der Erste mit Aufgabegepäck. Sonst habe ich immer geschaut, dass alles ins Handgepäck geht. Für eine Woche auch easy. Für ein Jahr eher weniger.
Aber ich lass mich von sowas ja nicht aufhalten. Nachdem ich endlich jemanden gefunden hatte, der mir den Weg zur Gepäckabgabe erklären konnte, war ich quasi unaufhaltsam. Und Erstrecht, nachdem ich gut vierzig Kilo am Schalter lassen konnte.
War dann auch für mich ein erstes learning: Nur weil zwei Koffer á dreiundzwanzig Kilo erlaubt sind, muss man die nicht zwingend vollmachen. Aber ich dachte ja, ich bräuchte das alles ...
Egal, dacht ich mir, das ist ein Problem, um das ich mich später kümmern würde. Und keine Sorge, die Koffer bekommen noch ihren wohlverdienten Auftritt.
Aber zuvor standen noch zwei Flüge an, einmal zwölf Stunden von München nach Taipei und nach anderthalbstunden Aufenthalt, dann drei weitere Stunden von Taipei nach Tokio. Dazu dann die Zeitverschiebung von neun Stunden und schon bist du nen kompletten Tag unterwegs, hast die halbe Welt umrundet und fühlst dich wie Käse in der Sonne.
So war zumindest der Plan. Aber wir alle wissen ja, wie das so mit Plänen ist ...
Nächster Halt: Japan
Zum Glück kam ich gut durch die Sicherheitskontrolle und hab dann auch recht schnell mein Gate gefunden. Als ich dann um elf Uhr endlich als einer der Letzten, ein Hoch auf Boarding Gruppe sechs, das Flugzeug betreten durfte, fand ich meinen Sitzplatz in der allerletzten Reihe, am Gang. Bei so nem langen Flug war ich sogar richtig dankbar dafür. Ich hatte Platz und konnte aufs Klo, ganz ohne jemanden zu nerven. Da neben mir ein Pärchen saß, sind die auf ihrer Seite raus und haben auch mich nicht genervt.

Nach Mittagessen, Nachmittagessen, Abendessen, Mitternachtssnack und Frühstück (ich kam mir vor wie ein Hobbit), kamen wir dann pünktlich in Taipeh an. Nur durften wir das Flugzeug nicht verlassen und haben geschlagene zwei Stunden warten müssen.
Was natürlich super ist, wenn der Anschlussflug schon wartet, und das am anderen Ende des Flughafens.

Ich war richtig begeistert, aber was will man machen ... Ich hab mir dann noch nen kompletten Film reingezogen und kaum gingen die Credits los, durften wir endlich raus.
Also schnell mein Zeug gepackt und dann schnell raus, in der Hoffnung, dass mein Anschlussflug so lieb war zu warten. Und zu meiner Freude wurden wir auch bereits vor der Tür erwartet und von einem jungen Mann zum richtigen Gate geführt. Hat dann, dank erneuter Sicherheitsüberprüfung und weil wir locker drei Kilometer von Gate zu Gate gelaufen sind, eine weitere Stunde gefressen. Wir kamen dann leicht abgehetzt an, nur um festzustellen, dass der Anschlussflug ebenfalls Verspätung hat.
Warum wir gerannt sind? Keine Ahnung. Aber zum Glück hatten wir eine weitere halbe Stunde Zeit um uns davon wieder zu erholen ...
Zwischendurch habe ich mich auch kurz mit einer anderen Passagierin unterhalten, die ebenfalls von München nach Tokyo unterwegs war. Sie war genau wie ich, mit Studentenvisum unterwegs. Leider habe ich vor lauter gehetze, nicht nach ihren Kontaktdaten gefragt.
Dann ging es endlich weiter und wir wurden alle in einen Bus geladen, der uns zum Flugzeug gebracht hat. Ich saß leider wieder nicht am Fenster und hab so nicht viel vom Flug mitbekommen. Weder den Sonnenaufgang noch der Flug über Japan, den ich eigentlich wahnsinnig gern gesehen hätte. Nur hatte ich bei der Platzbuchung kein Glück, denn es gab schlicht keine. Aus irgendeinem Grund konnte ich mir keinen aussuchen, obwohl ich pünktlich nachgesehen hatte. Lag vielleicht an der Airline ... Beim nächsten Mal werde ich vielleicht doch ein bisschen mehr Geld in die Hand nehmen und es nochmal versuchen. Allein der Anblick vom Fuji wäre es mir mehr als wert!

Aber zumindest das zweite Frühstück und das Mittagessen waren gut. Wenn ich mir das hier so nochmal durchlese, im Grunde habe ich sechszehn Stunden lang einfach nur gefressen und geschlafen. Ich meine, es gibt schlimmeres, womit man seine Zeit vertrödeln kann, aber ich war auch echt froh, als ich endlich dem Ziel näher kam.
Und endlich, nach viel zu vielen Stunden, kam der Metallvogel in Tokio-Narita an.
Mein Güte, war ich froh, dass ich den Stress mit dem Rückflug erst in einem Jahr hätte. Keine Ahnung wie das Menschen machen, die nur für ein oder zwei Wochen nach Japan fliegen.
Nagoya here I come
Aber ich war auch noch lange nicht am Ziel angekommen. Nun musste ich noch von Tokio-Narita nach Tokio und dann mit dem Shinkansen weiter nach Nagoya. Denn ich sollte mich dort, noch am selben Tag, mit der Youtuberin Lena Yamaguchi treffen.
Lena macht tolle Videos rund um und vor allem in Japan. Und sie hatte nur wenige Monate vor meinen Abflug einen Aufruf gestartet, ob nicht demnächst jemand zum ersten Mal nach Japan kommt und Lust hätte, sich mit ihr vor die Kamera zu stellen. Da musste ich mich natürlich melden. Das hat einfach viel zu gut gepasst.
Wir haben uns also per Videocall kennengelernt und ich wurde dazu eingeladen, mein erstes Wochenende in Japan mit ihr und ihrem Mann in Nagoya zu verbringen. Was wir da gemacht haben erzähle ich natürlich noch in allen Einzelheiten, und wer es lieber sehen will, der findet die Videos auf Youtube, auf ihrem Kanal (https://www.youtube.com/@LTVLOGchannel/videos).
Und keine Sorge die Videos sind auf Deutsch.
Also habe ich mir meine Permanent Residence Card abgeholt, meine Koffer eingesammelt, von denen einer leider unten aufgeplatzt war. An sich kein Problem, weil zum Glück trotzdem nichts rausgefallen ist, aber beim Normalen ziehen wurde jetzt immer ein Teil des Koffers über den Boden geschliffen. Um das zu verhindern, musste ich das Teil fast aufrecht halten und das war natürlich mega anstrengend. Trotzdem habe ich mich so auf den Weg zum Zug gemacht. Oder es zumindest versucht.
Meine Übergangs-SIM-Karte wollte nämlich nicht so wie ich und hat sich geweigert zu funktionieren. Also bin ich wieder ohne Plan rumgelaufen, bis ich einen netten Herrn fand, der mir half ein Ticket zu kaufen und den Weg zum Zug erklärte. Ich war so froh, dass ich mir schon in Deutschland genug Yen geholt habe, damit ich die Anfangszeit easy überstehe.
Sehr erleichtert saß ich dann endlich im Zug und konnte mich um mein SIM-Karten-Problem kümmern. Denn logischerweise braucht es erstmal ein stabiles Internet, damit ich das mobile Netzwerk nutzen kann. Was vorher nirgends stand ... Und da es mein erstes Mal mit einer digitalen SIM-Karte war, war ich etwas überfordert. Hab`s dann aber, dank dem freien WLAN vom Zug, zum Glück trotzdem geschafft und konnte Lena schreiben, dass ich unterwegs bin.
Belohnt wurde ich dann auch noch mit einer wundervollen Aussicht auf alte japanische Häuser, Felder und mehr. Ich war da.
Ich war tatsächlich in Japan! Ich hatte es endlich geschafft.
Wirklich glauben konnte ich es noch nicht. Es fühlte sich so unwirklich an und ich war sicher, dass ich gleich aufwache und noch immer in Deutschland bin. Aber ich bin nicht aufgewacht und konnte diesen Traum bis zum Ende träumen. Die gesamte Strecke bis Tokio habe ich aus dem Fenster gestarrt und es einfach genossen. Ich fand alles toll und wollte unbedingt noch mehr sehen. Vor allem dann halt auch zu Fuß erkunden. Aber das musste warten.
In Tokio habe ich mir dann mein erstes Onigiri und einen grünen Tee gekauft. Die Verkäuferin war so süß! Auf dem Tee war der japanische Baseballstar Shohei Ohtani abgebildet und sie hat mich deshalb direkt für meine Wahl gelobt. Und ich war direkt zum Honigkuchenpferd mutiert, weil ich so toll fand, dass sie toll fand, dass ich den grünen Tee gekauft habe.
Danach ging es direkt wieder in den Zug, wo mich die Müdigkeit übermannte. Ich wachte nur einmal kurz auf, weil mich mein Sitzpartner angestupst hat. Er war so freundlich, mich zu wecken, damit ich den Fuji nicht verpasse. Ich hab sogar noch einen Schnappschuss machen können, aber wir waren so schnell dran vorbei, dass ich einfach froh war, überhaupt was gesehen zu haben.

Und nach, ich glaube vier Stunden Gesamtfahrzeit, kam ich in Nagoya an. Absolut pünktlich. Sogar so pünktlich, dass ich zu früh war ... Weil ich nicht ne Stunde warten wollte, bis Lena mich abholen konnte, habe ich mich auf den Weg zum Hotel gemacht. Ich meine, ich hatte es bis hierher geschafft, warum sollte der restliche Weg jetzt noch ein Problem für mich sein?
Weil ich die vier Kilometer nicht gehen wollte (Ich weiß klingt komisch, aber glaub mir, ich habe noch oft genug den Fußweg gewählt, auch bei längeren Wegen), bin ich zur U-Bahn. Mit den beiden Koffern ist das eine ganz eigene Herausforderung. Ich hab halt nur knapp durch die Bahnschranken gepasst und stand ständig und überall im Weg. Ein Koffer vor mir, einer hinter mir und dann hoffen, dass ich nicht doch hängen bleibe. Was im übrigen jedes Mal passiert ist ... Auch richtig nervig war, dass nicht nur ein Koffer kaputt war, der große schwere (22,8 kg!) hatte keinen vernünftigen Griff und ist beim gehen ständig gekippt. Hieß jedes Mal stehen bleiben, umdrehen, drei Schritte gehen und wieder von vorne ...
Angekommen an der richtigen Station, habe ich es dann noch geschafft, den einzigen Ausgang zu wählen, ohne Aufzug oder Rolltreppe. Und ich dreh bei sowas halt nicht um. Keine Ahnung warum, aber ich hab durchgezogen und die Koffer nicht nur eine, sondern gleich drei Treppen hochgetragen.
Hätt ich nicht schon aufgrund des langen Fluges ausgesehen und gerochen wie Stinkekäse, spätestens nach der Aktion stand mir der Wunsch nach einer Dusche auf der Stirn. Und ausnahmslos jeder, hätte mir diesen Wunsch auf der Stelle erfüllt, nur um mich nicht mehr riechen zu müssen.
Das Hotel war dann auch nur noch ein paar Meter entfernt und der Check-In innerhalb von fünf Minuten erledigt. Schon stand ich in meinem Zimmerchen für die nächsten drei Nächte und habe die Koffer aufgerissen. Ich hatte noch eine halbe Stunde, bis Lena mich in der Lobby treffen wollte, also mehr als genug Zeit um dafür zu sorgen, dass ich wieder halbwegs präsentabel aussehe und vor allem rieche.
Wie es in Nagoya weiter ging und was mir Lena alles gezeigt hat, das erfährst du im nächsten Post!
Ich hoffe, dir haben meine Erlebnisse auf den Weg nach Japan gefallen. Schreib mir gerne mal in die Kommentare, ob du schon mal in Japan warst und wie dein Flug so war. Ich bin sehr gespannt!

![[🇯🇵 001] Mehr als nur Erinnerungen: Ein Jahr Japan](https://static.wixstatic.com/media/7057dc_a168ec82ffa34a2e9e6c01731d935f3f~mv2.jpg/v1/fill/w_980,h_980,al_c,q_85,usm_0.66_1.00_0.01,enc_avif,quality_auto/7057dc_a168ec82ffa34a2e9e6c01731d935f3f~mv2.jpg)
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