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[🇯🇵 004] Der Osu Shopping District in Nagoya

  • vor 3 Tagen
  • 8 Min. Lesezeit
Osu Shopping District

Nachdem wir unsere Udon aufgegessen hatten, ging es für Lena und mich weiter zum Osu Shopping District. Er ist das größte und lebendigste Einkaufsviertel der Stadt Nagoya. Mit über 1.200 Geschäften, Restaurants und Cafés, die sich über mehrere Straßen erstrecken, vereint er traditionelle japanische Kultur, Retro-Mode und moderne Pop-Kultur. Und es war ein unglaublicher Tag, voller neuer Entdeckungen, leckerem Essen und viel Begeisterung!


Aber machen wir einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit, bevor ich erzähle, was wir den ganzen Tag so getrieben haben.


Das Verrückte an Osu ist, dass das Viertel eigentlich als spirituelles Schutzschild für die Burg Nagoya gegründet wurde. Anfang des 17. Jahrhunderts ließ der Shogun Tokugawa Ieyasu wichtige Tempel wie den Osu Kannon aus der heutigen Präfektur Gifu hierher verlegen. Um die Tempel herum siedelten sich sofort Händler und Gastwirte an, um die Pilger zu versorgen – das war die Geburtsstunde des Einkaufsdistrikts.


Über die Jahrhunderte entwickelte sich Osu zum absoluten Vergnügungsviertel mit Theatern und Kinos. Im Zweiten Weltkrieg wurde 1945 dann leider fast alles durch Brandbomben zerstört; die heutigen Tempel sind also detailgetreue Nachbauten. In den 1970ern drohte Osu dann, zur Geisterstadt zu werden, weil alle in die modernen Kaufhäuser im Nachbarviertel rannten.


In den 1970ern kam neuer Schwung in das Viertel, unter anderem durch Elektronikläden und PC-Shops. Das 1977 eröffnete Radio Center AmeYoko gilt dabei als wichtiger Impuls. Die Technik-Freaks brachten dann wiederum Anime-Shops, Cosplay und Second-Hand-Läden mit. Genau so entstand dieser geniale Mix aus 400 Jahren Tradition und moderner Popkultur, den man heute dort erleben kann!



Die Osu Shopping Straßen sind unglaublich! Es gab überall was zu entdecken und mein Japan-Fanherz hat regelrechte Freudensprünge gemacht. Aber ich war auch etwas überwältigt und habe mich am Anfang noch nicht wirklich getraut,, irgendwo näher hinzugehen oder Lena zu fragen, ob wir was probieren oder ansehen könnten. Ich habe mich eher von ihr etwas durchziehen lassen. Was aber auch nicht schlimm war, schließlich ist sie die Expertin und konnte mir viel zeigen und erzählen.


Aus dem gleichen Grund habe ich übrigens auch keine Fotos vom Essen gemacht, das wir vor Ort schnabuliert haben. Naja und weil halt immer eine Kamera auf mich gerichtet war und irgendwie war mir das unangenehm, da dann ständig das Handy rauszuholen und alles zu fotografieren. Deshalb ergänze ich mit lizenzfreien Fotos aus dem Internet, damit du trotzdem weißt, worum es geht, und siehst, wie lecker alles aussah.


Osu Straßenkarte

Und unser erster kurzer Stopp war, wie könnte es anders sein, an einem Foodstand. Jup, wir haben wieder gegessen. Und wir haben an diesem Tag noch so viel mehr gegessen xD Es war aber auch schwer zu widerstehen!


Wir haben uns leckere Dango gegönnt. Dango sind traditionelle japanische Reismehlbällchen, die meist zu dritt oder viert auf Holzspießen serviert werden. Sie gehören zur Familie der Wagashi (traditionelle japanische Süßigkeiten) und finden sich überall in Japan.


Die kleinen, klebrigen Bällchen gibt es in vielen verschiedenen Variationen. Wir haben Mitarashi und Kinako Dango probiert und beide waren super lecker. Wobei mir die mit Kinako fast noch ein bisschen besser geschmeckt haben.


Mitarashi Dango werden mit einer klebrigen Soße aus Sojasauce und Zucker garniert – schmeckt süß-salzig.

Kinako Dango werden hingegen in geröstetem Sojabohnenmehl gewendet – das schmeckt sehr nussig, fast wie Erdnüsse!


Mitarashi Dango

Danach haben wir den Endgegner für sensorische Eindrücke gefunden und sind in ein Gaming Center rein. Da drin war es laut, voller Menschen und an allen Ecken und Kanten hat es geblickt, geleuchtet oder auf irgendeine andere Art und Weise nach Aufmerksamkeit geschrien.


Im unteren Stockwerk gab es reichlich Automaten mit Greifarmen, sogenannte UFO-Catcher, aus denen man so ziemlich alles rausholen konnte, was das Herz begehrt, und auch so manches, was es nicht begehrt. Neben überdimensionalen Pokémon-Plüschis, Anime-Figuren und diversen Snacks gab es auch absurderes Zeug wie Süßkartoffel- oder Tempurakissen (Ich wollte es so sehr haben, aber ich hätte es im Leben nicht transportieren können. Es war riesig!).


Zweimal habe ich es selbst probiert, aber leider nichts gewonnen. Vielleicht beim nächsten Mal.


Im oberen Stockwerk standen dann klassische Arcade-Automaten, aber auch so Tanz- und Geschicklichkeitsspiele. Wir haben uns auch direkt an ein Spiel rangewagt: Taiko no Tatsujin. Das ist ein Rhythmusspiel mit Trommeln. Und wie wir getrommelt haben! Es war sehr lustig, auch wenn ich ein Handicap hatte, da eine Seite der Trommel null reagiert hat, ganz egal, wie ich draufgeschlagen hab. Aber was solls, Spaß hatte ich trotzdem.


Trommel Arcade

Wir haben uns danach auch noch an einen Gundam-Arcade gesetzt, aber keiner von uns hat die Steuerung geblickt. Was das Ganze nur umso unterhaltsamer gemacht hat. Irgendwie habe ich es dann doch geschafft, zwei von drei Runden zu gewinnen, und wir konnten völlig zufrieden das Game Center wieder verlassen. Denn eigentlich wollten wir ja auch nur ganz kurz mal gucken gehen.


Wieder an der frischen Luft und nach der Anstrengung beim Trommeln machten sich unsere Mägen bemerkbar. Kein Wunder, wir hatten ja seit mindestens einer halben Stunde nichts mehr gegessen! Wie gut also, dass Lena einen fantastischen Stand mit Takoyaki kannte.


Takoyaki sind herzhafte japanische Teigbällchen mit Ursprung in Osaka. Sie bestehen aus einem flüssigen Weizenmehlteig, der mit Oktopusstückchen (Tako), Frühlingszwiebeln und Ingwer gefüllt ist. Die Bällchen werden in einer speziellen Takoyakipfanne gebraten, mit Sauce sowie Mayonnaise garniert und heiß serviert.


Und oh mein Gott, waren die Dinger heiß! Also wirklich heiß. Deshalb ein Tipp: Falls du mal Takoyaki essen gehst, mach mit dem Stäbchen ein Loch in das Bällchen, damit die Hitze ein bisschen entweichen kann. Dann verbrennt man sich die Zunge nicht ganz so gottlos xD Aber ich sags auch wie es ist, geschmacklich sind Takoyaki halt so gut, dass sich der Schmerz wenigstens lohnt.


Takoyaki

Wieder gut gestärkt ging es weiter und es dauerte nicht lang, bis wir was Neues fanden, das ausprobiert werden musste. Wir haben Gachapon-Automaten entdeckt!


Gachapon (oder Gashapon) sind japanische Kapselspielzeug-Automaten, in denen sich die unterschiedlichsten Dinge befinden können. Das Spektrum reicht dabei von Anime-Figuren über Schlüsselanhänger und Miniatur-Haushaltsgegenstände bis hin zu bizarren Kuriositäten, wie z. B. Passfotos von Fremden, Fahndungsfotos von echten Straftätern, Sexspielzeug und vieles mehr. Keine Ahnung, warum man sich sowas holt xD


Funktionieren tut es ganz einfach: Man wirft Münzen ein und dreht am Hebel. Der Name ist eine lautmalende Nachahmung des drehenden Hebels (Gacha) und der in das Ausgabefach fallenden Kapsel (Pon).


Und das Schlimmste ist, dass diese Automaten wirklich über all zu finden sind und grundsätzlich als Rudeltiere auftreten. Heißt, da stehen immer gleich mehrere zur Auswahl und machen es echt schwer, sich zu entscheiden. Dieses Mal ist meine Entscheidung aber auf einen gefallen, bei dem man Schleime aus dem Dragon Quest Universum bekommen konnte. Und da ich die Spiele halt einfach liebe, war ich sofort dabei. Bekommen habe ich dann einen kleinen blauen Schleim auf einer silbernen Hand. Mein erstes japanisches Souvenier!


Gachapon Dagon Quest


Und dann kam mein Nagoya-Highlight. Denn wir fanden einen kleinen Stand mit unterschiedlichen Sorten Ichigo Daifuku.


Ichigo Daifuku ist ein beliebtes japanisches Dessert, das aus einem weichen Klebreiskuchen (Mochi) besteht, der standardmäßig mit süßer roter Bohnenpaste (Anko) und einer ganzen, frischen Erdbeere gefüllt ist. Die fruchtige Säure der Erdbeere bildet einen perfekten Kontrast zur süßen Bohnenmasse.


Doch hier gab es die Daifuku auch mit Matcha und Schokolade. Ich habe mir einen mit Schokolade ausgesucht und war hin und weg. Statt Anko war im Inneren ein süßer Schokopudding, der herrlich zu der Erdbeere gepasst hat. Es war so gut, dass ich am liebsten den ganzen Stand leer gekauft hätte.


Und ich muss sogar sagen, ich habe in Japan danach noch öfter Daifuku mit Schokofüllung gegessen, aber die Besten gab es in Nagoya. So gute Daifuku fand ich kein zweites Mal!



Okay, also bisher haben wir gegessen, gezockt, gegessen, wieder gezockt und noch mehr gegessen ... Klingt bis hierhin nach einem sehr erfolgreichen Tag xD Aber um den Schein zu wahren, ging es zwischendurch auch mal zu einem Tempel.


Der berühmteste Tempel direkt in der belebten Osu Shopping Straße ist der leuchtend rote Osu Kannon. Er ist der buddhistischen Göttin der Barmherzigkeit (Kannon) geweiht und beherbergt eine riesige rote Laterne sowie eine Bibliothek mit über 15.000 klassischen Texten.


Mein erster, echter japanischer Tempel, den ich live und nicht nur auf einem Bildschirm zu Gesicht bekommen habe. Es war unglaublich und ich war hin und weg. Ich war krass überwältigt! Und am liebsten hätte ich mehr Zeit dort verbracht, aber da ich ja nicht alleine war, ging es recht schnell wieder weiter. Aber es war eine wundervolle Erfahrung.



Und natürlich, wie könnte es denn auch anders sein, sind wir straight up in eine Bäckerei gegangen. Überrascht dich nicht wirklich, oder? Aber wir mussten einfach ein Melonpan essen.


Ein Melonpan ist ein sehr beliebtes süßes Gebäck aus Japan. Es besteht aus einem weichen, fluffigen Hefeteig, der mit einer dünnen, knusprigen Mürbeteigschicht (Keksteig) überzogen und oft mit Kristallzucker bestreut ist.


Obwohl der Name vermuten lässt, dass es nach Melone schmeckt, ist das in der traditionellen Variante nicht der Fall. Der Name kommt rein von der Optik: Das typische Rautenmuster, das vor dem Backen in den Teig geritzt wird, erinnert an die Schale einer Honigmelone.


Ich musste einfach wissen, wie gut die Dinger sind. Weil ich vor vielen Jahren mal versucht habe, selbst Melonpan zu machen, und sie mir nur mehr schlecht als recht gelungen sind. Waren trotzdem lecker, aber ich wollte unbedingt herausfinden, wie nah ich an ein Original rangekommen bin.


Und oh Darling, ich hatte keine Ahnung! Melonpan sind einfach gebackenes Glück. Die Dinger machen so unfassbar süchtig. Das, was ich damals selbst gemacht hatte, war nichts im Vergleich dazu.


Ich empfehle jedem, der mal nach Japan kommt, unbedingt Melonpan zu probieren. Es gibt die in jedem Konbini, sie sind super günstig und einfach viel zu lecker.


Melonpan

Obwohl wir schon so viel gegessen hatten, fehlte zu dem Zeitpunkt noch etwas, das man in Japan einfach probieren muss. Sonst holt einen die Süßigkeiten-Fee des Nachts und füttert einen mit Krokant xD


Die Rede ist von Matcha-Eis. Matcha-Eis ist eine cremige Eissorte, die durch die Zugabe von fein gemahlenem japanischem Grünteepulver (Matcha) ihre leuchtend grüne Farbe und ihren charakteristischen Geschmack erhält. Es zeichnet sich durch ein feines Aroma aus, das eine milde Süße, eine dezente grasige Note und eine edle Herbe perfekt ausbalanciert.


Ich bin jetzt nicht der größte Matcha-Fan, fand das Eis aber wirklich gut. Man hat richtig schmecken können, dass das Eis selbstgemacht war. Das Coole war auch, dass zu dem Eisladen ein Teegeschäft gehört, bei dem man sehen konnte, wie das Matchapulver gemahlen wurde. Und man konnte frisch aufgebrühten Tee probieren.


Macha Eis

Zum Abschluss ging es dann noch in einen Mandarake. Das ist eine berühmte japanische Einzelhandelskette für gebrauchte und seltene Sammlerstücke aus den Bereichen Anime, Manga und japanische Popkultur.


Als Fan von so ziemlich allem, was dort verkauft wird, musste ich einfach einen Blick riskieren. Und zum Glück hatten wir nicht mehr viel Zeit, weil ich sonst evtl. eskaliert wäre xD Die hatten einfach so viel geiles Zeug. Dutzende Manga, Games für so ziemlich jede Konsole, die je erfunden wurde, Sammelfiguren von gefühlt jedem Anime, sogar die Nieschigen und so viel mehr. Es ist der Himmel für jeden Nerd.


Da Lena aber noch einen Termin hatte, war danach erstmal Pause. Zumindest für die gemeinsame Erkundung. Ich habe hingegen die Chance genutzt und mich noch ein paar Mal in den Gassen der Osu Shopping Streets verirrt. Ich habe noch einige Fotos gemacht und mir an einem weiteren Gatchapon eine kleine lila Eule geholt. Hier ein paar Einblicke in das, was ich da so gefunden habe:



Ich hatte wahnsinnig viel Spaß und hoffe, dass dir der gemeinsame Rückblick gefallen hat! Bald geht es weiter und ich erzähle dir, wie mein erster richtiger Tag in Japan zu Ende ging. Und ich verrate schon mal so viel: Natürlich wird wieder gegessen. Ich meine, das war doch klar xD


Und verrate mir doch mal in den Kommentaren, was deine liebste japanische Süßigkeit ist ❤︎ Hier ist noch der Link zu dem Video, das Lena von unserem Tag gemacht hat.




 
 
 

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